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Praxis

Drohnenfotos: Einstellungen für professionelle Luftbilder

Die Drohne fliegt von allein – das Bild macht immer noch die Einstellung. Diese Werte sind Ausgangspunkte aus der Praxis, keine Gesetze.

Kurz gesagt
  • Immer RAW/DNG fotografieren, wenn du nachbearbeitest – JPEG nur für schnelle Lieferung.
  • ISO 100 als Standard, Verschlusszeit mindestens 1/250 s gegen Verwacklung durch Wind und Drohnenbewegung.
  • Weißabgleich manuell fixieren – sonst springt die Farbe innerhalb einer Bildserie.
  • Auf die Lichter belichten: Ausgefressener Himmel ist nicht rettbar, dunkle Schatten schon.

Von Benjamin Hetzendorfer · Aktualisiert am · 8 min Lesezeit

Die Grundlagen in Kürze

RAW/DNG oder JPEGRAW für alles, was bearbeitet wird – deutlich mehr Reserven bei Lichtern, Schatten und Weißabgleich. JPEG nur, wenn es sofort raus muss. ISOSo niedrig wie möglich (meist 100). Drohnensensoren sind klein – jedes ISO-Level kostet sichtbar Detail. VerschlusszeitBei Foto mindestens 1/250 s; bei Wind oder Bewegung eher 1/500 bis 1/1000 s. Die Drohne steht nie ganz still. BlendeNur bei Modellen mit variabler Blende relevant (z. B. Mavic 4 Pro): mittlere Werte sind meist am schärfsten, ganz zu bringt Beugungsunschärfe. WeißabgleichManuell setzen (z. B. 5.500 K für Tageslicht). Auto-WB ruiniert Serien und Panoramen. FokusVor dem Auslösen aktiv setzen und prüfen – Autofokus greift bei Dunst und gleichförmigen Flächen oft daneben. Histogramm & ZebrasWichtiger als das Display: Überbelichtungswarnung einschalten und die rechte Kante im Auge behalten. Auflösung12 MP (gepixelbinnt) ist oft sauberer als 48/50 MP – die hohe Auflösung lohnt bei gutem Licht und wenn du croppen willst.

Sinnvolle Ausgangswerte

Startpunkte, keine festen Regeln – Wind, Motiv und Sensor verändern das Optimum
SituationAusgangseinstellung
Landschaft bei TageslichtRAW, ISO 100, WB fix, mindestens ca. 1/250 s
Bewegtes Motiv (Auto, Tier, Wasser)ca. 1/500 bis 1/1000 s, ISO nachziehen
SonnenuntergangRAW, ISO möglichst niedrig, AEB mit 3 oder 5 Bildern
Hoher Dynamikumfang (Gegenlicht)AEB/RAW, auf die Lichter belichten
NachtaufnahmeNiedrige ISO, längere Belichtung – nur bei ruhiger Luft und stabilem Hover
Wasser glätten / LichtspurenLängere Belichtung mit ND-Filter

Die Themen, die den Unterschied machen

Warum RAW so viel mehr kann

Ein JPEG hat die Interpretation schon eingebrannt: Weißabgleich, Kontrast, Schärfung. RAW behält die Sensordaten – du rettest damit einen zu hellen Himmel oder korrigierst eine Farbstimmung nachträglich verlustfrei. Bei Drohnen mit kleinem Sensor ist dieser Spielraum besonders wertvoll.

Auto-Weißabgleich ruiniert Serien

Fliegst du eine Runde um ein Objekt, ändert sich die Lichtsituation – und der Auto-WB zieht mit. Ergebnis: Bilder derselben Serie haben unterschiedliche Farbstimmung, Panoramen bekommen sichtbare Kanten. Fixieren.

AEB und echtes HDR

AEB (Auto Exposure Bracketing) schießt mehrere Belichtungen; zusammengerechnet ergibt das den vollen Dynamikumfang. Das drohneneigene „HDR“ rechnet dagegen selbst – schneller, aber weniger kontrollierbar. Für anspruchsvolle Motive: AEB in RAW, Zusammenrechnen in der Nachbearbeitung.

Wann 48/50 MP sinnvoll sind

Bei gutem Licht und wenn du beschneiden oder groß drucken willst. Bei wenig Licht liefert der gepixelbinnte 12-MP-Modus oft das sauberere Bild. Mehr Megapixel heißt nicht automatisch besseres Foto – Objektiv, Licht und Bewegungsunschärfe limitieren früher.

Auf die Lichter belichten

Ausgefressene Bereiche sind unwiederbringlich – zu dunkle Schatten lassen sich in RAW oft anheben. Belichte deshalb so, dass der Himmel gerade nicht clippt, und hole die Schatten später hoch.

Panoramen richtig aufnehmen

Manuelle Belichtung, fixer Weißabgleich, fixer Fokus – sonst passt nichts zusammen. Genug Überlappung, ruhige Luft, und lieber ein zweites Set als eine Lücke. Die Automatik-Panos der Drohne sind praktisch; für Print lohnt das manuelle Set in RAW.

Filter bei Fotos

ND-Filter brauchst du beim Foto nur für lange Belichtungszeiten (Wasser, Lichtspuren). Polfilter können Spiegelungen auf Wasser und Dunst reduzieren – bei Weitwinkel aber ungleichmäßig wirken.

Bildgestaltung aus der Luft

Die Vogelperspektive verführt zur Beliebigkeit. Was hilft: führende Linien (Straßen, Flüsse, Zäune), Symmetrie im Top-Down-Shot, ein bewusster Vordergrund für Tiefe – und vor allem die richtige Höhe. 30 bis 50 Meter sind oft interessanter als das Maximum: Man erkennt noch Strukturen und Menschen als Größenmaßstab. „Immer auf 120 m steigen“ ist der häufigste Anfängerfehler.

Modellbezogen

  • DJI Mini 4/5 Pro: Die Mini 5 Pro mit 1-Zoll-Sensor hat spürbar mehr Reserven bei Dämmerung; bei beiden lohnt RAW und niedrige ISO.
  • DJI Air 3S: Zwei Brennweiten – das Tele ist für Kompression und Detailausschnitte oft die interessantere Wahl.
  • DJI Mavic 4 Pro: Variable Blende und 100 MP; hier zahlt sich sorgfältige Belichtung am meisten aus.
  • DJI Avata / FPV: Fotofunktion ist eingeschränkt – diese Geräte sind Bewegtbild-Werkzeuge, nicht Fotokameras.
Checkliste zum Merken: RAW an · ISO 100 · Verschlusszeit ≥ 1/250 s · Weißabgleich fix · Histogramm prüfen · auf die Lichter belichten · bei Gegenlicht AEB · Höhe bewusst wählen.

Häufige Fragen

RAW oder JPEG bei Drohnenfotos?

RAW (DNG), sobald du die Bilder bearbeitest – es bietet deutlich mehr Reserven bei Lichtern, Schatten und Weißabgleich. JPEG nur, wenn das Bild sofort ohne Bearbeitung verwendet wird.

Welche ISO ist bei Drohnen sinnvoll?

So niedrig wie möglich, in der Regel ISO 100. Drohnensensoren sind klein, jede ISO-Stufe kostet sichtbar Detail und erzeugt Rauschen.

Warum sind meine Drohnenfotos unscharf, obwohl der Fokus stimmt?

Meist Bewegungsunschärfe: Die Drohne hovert nie perfekt still und Wind bewegt sie. Verschlusszeiten unter 1/250 s sind aus der Luft riskant – bei Bewegung eher 1/500 bis 1/1000 s.

Brauche ich ND-Filter für Fotos?

Nur für lange Belichtungszeiten – etwa um Wasser zu glätten. Für normale Landschaftsfotos brauchst du keinen ND-Filter (anders als beim Video).

Quellen & Rechtsgrundlagen

  • HerstellerDJI – offizielle Produkt- und Support-DokumentationKameraprofile, unterstützte Modi und LUTs je ModellZur Quelle ↗
  • Redaktionelle EinordnungPraxis-Einordnung drohneninfos.atRichtwerte aus der eigenen Produktionspraxis – keine Herstellergarantie

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