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Praxis

Drohnenvideo: Framerate, Shutter, ND-Filter und D-Log

Vier Entscheidungen bestimmen, ob dein Material professionell aussieht: Framerate, Verschlusszeit, Filter und Farbprofil. Hier sind sie zusammenhängend erklärt.

Kurz gesagt
  • 180-Grad-Regel: Verschlusszeit ≈ 1 / (2 × Framerate) – bei 25 fps also 1/50 s.
  • Für Österreich/Europa: 4K/25 fps als Standard, 4K/50 fps für Zeitlupe.
  • ND-Filter sind bei Video Pflichtausrüstung – nur so hältst du bei Tageslicht die lange Verschlusszeit.
  • D-Log M (10 Bit) ist der beste Kompromiss aus Reserven und Aufwand; Normal für schnelle Lieferung.

Von Benjamin Hetzendorfer · Aktualisiert am · 9 min Lesezeit

Die 180-Grad-Shutter-Regel

Die Verschlusszeit wird ungefähr auf den Kehrwert der doppelten Bildrate gestellt. Das erzeugt die Bewegungsunschärfe, die unser Auge aus dem Kino kennt – zu kurze Zeiten wirken stroboskopartig und „billig“.

180-Grad-Shutter je Framerate
FramerateVerschlusszeit
24 fpsca. 1/48 – praktisch meist 1/50
25 fps1/50
30 fps1/60
50 fps1/100
60 fps1/120

Das ist keine technische Pflicht, sondern eine gestalterische Regel für natürlich wirkende Bewegungsunschärfe. Bewusste Abweichungen (kürzere Zeiten für harte Action-Optik) sind legitim – nur nicht aus Versehen.

Welche Framerate?

  • 25 fps – der normale, filmische Standard für Österreich und Europa (PAL-Raster).
  • 50 fps – für Bewegung und für Zeitlupe in einer 25-fps-Timeline (auf 50 % verlangsamt).
  • 24 fps – Kino-Look; bei künstlichem 50-Hz-Licht auf Flackern achten.
  • 30/60 fps – sinnvoll bei internationalen oder Web-/Social-Workflows, in denen 30p das Zielraster ist.
Empfehlung für einen einfachen österreichischen Workflow: 4K mit 25 fps für normale Aufnahmen, 4K mit 50 fps für verlangsamte Sequenzen. Nicht mischen, ohne es bewusst zu planen.

ND-Filter – warum sie beim Video Pflicht sind

Bei hellem Tageslicht kannst du 1/50 s ohne Filter nicht halten – die Automatik zieht die Verschlusszeit auf 1/500 oder kürzer, und die Bewegung wird stakkatohaft. ND-Filter nehmen Licht weg und geben dir die lange Zeit zurück.

Grobe Zuordnung – abhängig von Sonne, Schnee, Wasser und Tageszeit
FilterTypische Situation
ND8bedeckt, Dämmerung, Wald
ND16leicht bewölkt, goldene Stunde
ND32sonnig
ND64starke Sonne, Wasser, helle Flächen
ND128Hochgebirge, Schnee, Mittagssonne
ND/PLND plus Polarisation – gegen Spiegelungen auf Wasser und Dunst

Variable ND-Filter sind flexibel, können aber Farbverschiebungen und bei Weitwinkel das typische X-Muster erzeugen. Fester Filtersatz ist für saubere Ergebnisse verlässlicher. Filter immer vor dem Start wechseln – nie in der Luft improvisieren.

Häufiges Missverständnis: Ein ND-Filter erhöht nicht den Dynamikumfang und macht das Bild nicht „besser“. Er reduziert nur das Licht – und ermöglicht dadurch die gewünschte Verschlusszeit.

Die Farbprofile im Vergleich

Normal

Sofort verwendbar, kaum Color Grading nötig, schnellster Workflow. Ideal für Social Media, schnelle Kundenlieferung und alles, was nicht durch eine Farbkorrektur läuft.

D-Log M

Flaches Profil, auf unterstützten Geräten in 10 Bit. Deutlich mehr Farbabstufungen und Reserven für die Nachbearbeitung als Normal – und gleichzeitig einfacher zu graden als volles D-Log. Für die meisten Produktionen der beste Kompromiss. Erfordert eine LUT oder manuelles Grading.

D-Log

Stärker auf professionelle Nachbearbeitung ausgelegt, modellabhängig mit anderer Basis-ISO. Größere Anforderungen an Belichtung und Grading – und nicht auf jeder DJI-Drohne vorhanden. Nur sinnvoll, wenn der Postproduktions-Workflow steht.

HLG

Für echte HDR-Workflows. Funktioniert nur sinnvoll, wenn Schnitt, Export und Wiedergabe tatsächlich HDR unterstützen – sonst wirkt das Material flau. Kein „besseres Normal“.

D-Cinelike

Älteres bzw. modellabhängiges flacheres Profil, weniger standardisiert als D-Log/D-Log M – zu finden vor allem bei einigen älteren Mini- und Air-Modellen.

Welche Profile deine Drohne unterstützt, steht in der modellbezogenen Übersicht des Herstellers – die Verfügbarkeit unterscheidet sich zwischen Serien deutlich.

Fertige Einstellungsrezepte

1Normales professionelles Video

4K · 25 fps · 1/50 s · ISO möglichst niedrig · Weißabgleich manuell fix · D-Log M (10 Bit), wenn Nachbearbeitung geplant · passender ND-Filter.

2Zeitlupe

4K · 50 fps · 1/100 s · in einer 25-fps-Timeline auf 50 % verlangsamen · ND entsprechend stärker.

3Schnelle Lieferung ohne Grading

4K · 25 fps · 1/50 s · Normal-Profil · fester Weißabgleich · niedrige ISO.

Schwaches Licht: 25 fps, ca. 1/50 s, keinen unnötigen ND-Filter, ISO nur so hoch wie erforderlich. Das Farbprofil modellabhängig wählen – pauschal „nachts immer D-Log“ ist falsch, weil flache Profile bei hoher ISO das Rauschen mit anheben.

Checkliste vor dem Start: Framerate gewählt · Shutter auf 180-Grad-Regel · ND passend zum Licht montiert · Weißabgleich fix · ISO niedrig · Profil zum Workflow passend · Speicher und Akku geprüft.

Und rechtlich?

Die schönste Einstellung nützt nichts, wenn der Flug nicht zulässig ist: Sichtverbindung, Personenabstände, maximal 120 m und die Geo-Zonen gelten unverändert – auch wenn du „nur kurz“ eine Kamerafahrt brauchst. Bei Auftragsarbeiten in der Stadt oder in Schutzgebieten die Freigaben früh einplanen.

Häufige Fragen

Welche Verschlusszeit bei 25 fps?

1/50 Sekunde – nach der 180-Grad-Regel (Kehrwert der doppelten Framerate). Das erzeugt die natürlich wirkende Bewegungsunschärfe.

Brauche ich wirklich ND-Filter für Drohnenvideos?

Bei Tageslicht praktisch ja. Ohne Filter zwingt dich die Helligkeit zu kurzen Verschlusszeiten, und die Bewegung wirkt hart und ruckelig. ND-Filter sind das günstigste Upgrade für professionelleres Material.

D-Log oder Normal – was soll ich nehmen?

Wenn du farbkorrigierst: D-Log M in 10 Bit (bester Kompromiss aus Reserven und Aufwand). Wenn das Material ohne Grading rausgeht: Normal. Volles D-Log nur mit eingespieltem Postproduktions-Workflow.

25 oder 30 fps in Österreich?

25 fps ist das europäische Standardraster und passt zu 50-Hz-Kunstlicht. 30/60 fps sind sinnvoll, wenn dein Zielformat oder die internationale Verwertung darauf ausgelegt ist.

Quellen & Rechtsgrundlagen

  • HerstellerDJI – offizielle Produkt- und Support-DokumentationKameraprofile, unterstützte Modi und LUTs je ModellZur Quelle ↗
  • Redaktionelle EinordnungPraxis-Einordnung drohneninfos.atRichtwerte aus der eigenen Produktionspraxis – keine Herstellergarantie

Fachlich geprüft am · Redaktion drohneninfos.at · Fehler gefunden? Kurz melden – Korrekturen werden zeitnah eingearbeitet.

Und an deinem konkreten Standort?

Ob du dort fliegen darfst, hängt zusätzlich von Geozonen und lokalen Einschränkungen ab – tagesaktuell auf der Karte.

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