Drohnenvideo: Framerate, Shutter, ND-Filter und D-Log
Vier Entscheidungen bestimmen, ob dein Material professionell aussieht: Framerate, Verschlusszeit, Filter und Farbprofil. Hier sind sie zusammenhängend erklärt.
- 180-Grad-Regel: Verschlusszeit ≈ 1 / (2 × Framerate) – bei 25 fps also 1/50 s.
- Für Österreich/Europa: 4K/25 fps als Standard, 4K/50 fps für Zeitlupe.
- ND-Filter sind bei Video Pflichtausrüstung – nur so hältst du bei Tageslicht die lange Verschlusszeit.
- D-Log M (10 Bit) ist der beste Kompromiss aus Reserven und Aufwand; Normal für schnelle Lieferung.
Die 180-Grad-Shutter-Regel
Die Verschlusszeit wird ungefähr auf den Kehrwert der doppelten Bildrate gestellt. Das erzeugt die Bewegungsunschärfe, die unser Auge aus dem Kino kennt – zu kurze Zeiten wirken stroboskopartig und „billig“.
| Framerate | Verschlusszeit |
|---|---|
| 24 fps | ca. 1/48 – praktisch meist 1/50 |
| 25 fps | 1/50 |
| 30 fps | 1/60 |
| 50 fps | 1/100 |
| 60 fps | 1/120 |
Das ist keine technische Pflicht, sondern eine gestalterische Regel für natürlich wirkende Bewegungsunschärfe. Bewusste Abweichungen (kürzere Zeiten für harte Action-Optik) sind legitim – nur nicht aus Versehen.
Welche Framerate?
- 25 fps – der normale, filmische Standard für Österreich und Europa (PAL-Raster).
- 50 fps – für Bewegung und für Zeitlupe in einer 25-fps-Timeline (auf 50 % verlangsamt).
- 24 fps – Kino-Look; bei künstlichem 50-Hz-Licht auf Flackern achten.
- 30/60 fps – sinnvoll bei internationalen oder Web-/Social-Workflows, in denen 30p das Zielraster ist.
ND-Filter – warum sie beim Video Pflicht sind
Bei hellem Tageslicht kannst du 1/50 s ohne Filter nicht halten – die Automatik zieht die Verschlusszeit auf 1/500 oder kürzer, und die Bewegung wird stakkatohaft. ND-Filter nehmen Licht weg und geben dir die lange Zeit zurück.
| Filter | Typische Situation |
|---|---|
| ND8 | bedeckt, Dämmerung, Wald |
| ND16 | leicht bewölkt, goldene Stunde |
| ND32 | sonnig |
| ND64 | starke Sonne, Wasser, helle Flächen |
| ND128 | Hochgebirge, Schnee, Mittagssonne |
| ND/PL | ND plus Polarisation – gegen Spiegelungen auf Wasser und Dunst |
Variable ND-Filter sind flexibel, können aber Farbverschiebungen und bei Weitwinkel das typische X-Muster erzeugen. Fester Filtersatz ist für saubere Ergebnisse verlässlicher. Filter immer vor dem Start wechseln – nie in der Luft improvisieren.
Die Farbprofile im Vergleich
Normal
Sofort verwendbar, kaum Color Grading nötig, schnellster Workflow. Ideal für Social Media, schnelle Kundenlieferung und alles, was nicht durch eine Farbkorrektur läuft.
D-Log M
Flaches Profil, auf unterstützten Geräten in 10 Bit. Deutlich mehr Farbabstufungen und Reserven für die Nachbearbeitung als Normal – und gleichzeitig einfacher zu graden als volles D-Log. Für die meisten Produktionen der beste Kompromiss. Erfordert eine LUT oder manuelles Grading.
D-Log
Stärker auf professionelle Nachbearbeitung ausgelegt, modellabhängig mit anderer Basis-ISO. Größere Anforderungen an Belichtung und Grading – und nicht auf jeder DJI-Drohne vorhanden. Nur sinnvoll, wenn der Postproduktions-Workflow steht.
HLG
Für echte HDR-Workflows. Funktioniert nur sinnvoll, wenn Schnitt, Export und Wiedergabe tatsächlich HDR unterstützen – sonst wirkt das Material flau. Kein „besseres Normal“.
D-Cinelike
Älteres bzw. modellabhängiges flacheres Profil, weniger standardisiert als D-Log/D-Log M – zu finden vor allem bei einigen älteren Mini- und Air-Modellen.
Welche Profile deine Drohne unterstützt, steht in der modellbezogenen Übersicht des Herstellers – die Verfügbarkeit unterscheidet sich zwischen Serien deutlich.
Fertige Einstellungsrezepte
4K · 25 fps · 1/50 s · ISO möglichst niedrig · Weißabgleich manuell fix · D-Log M (10 Bit), wenn Nachbearbeitung geplant · passender ND-Filter.
4K · 50 fps · 1/100 s · in einer 25-fps-Timeline auf 50 % verlangsamen · ND entsprechend stärker.
4K · 25 fps · 1/50 s · Normal-Profil · fester Weißabgleich · niedrige ISO.
Schwaches Licht: 25 fps, ca. 1/50 s, keinen unnötigen ND-Filter, ISO nur so hoch wie erforderlich. Das Farbprofil modellabhängig wählen – pauschal „nachts immer D-Log“ ist falsch, weil flache Profile bei hoher ISO das Rauschen mit anheben.
Und rechtlich?
Die schönste Einstellung nützt nichts, wenn der Flug nicht zulässig ist: Sichtverbindung, Personenabstände, maximal 120 m und die Geo-Zonen gelten unverändert – auch wenn du „nur kurz“ eine Kamerafahrt brauchst. Bei Auftragsarbeiten in der Stadt oder in Schutzgebieten die Freigaben früh einplanen.
Häufige Fragen
Welche Verschlusszeit bei 25 fps?
1/50 Sekunde – nach der 180-Grad-Regel (Kehrwert der doppelten Framerate). Das erzeugt die natürlich wirkende Bewegungsunschärfe.
Brauche ich wirklich ND-Filter für Drohnenvideos?
Bei Tageslicht praktisch ja. Ohne Filter zwingt dich die Helligkeit zu kurzen Verschlusszeiten, und die Bewegung wirkt hart und ruckelig. ND-Filter sind das günstigste Upgrade für professionelleres Material.
D-Log oder Normal – was soll ich nehmen?
Wenn du farbkorrigierst: D-Log M in 10 Bit (bester Kompromiss aus Reserven und Aufwand). Wenn das Material ohne Grading rausgeht: Normal. Volles D-Log nur mit eingespieltem Postproduktions-Workflow.
25 oder 30 fps in Österreich?
25 fps ist das europäische Standardraster und passt zu 50-Hz-Kunstlicht. 30/60 fps sind sinnvoll, wenn dein Zielformat oder die internationale Verwertung darauf ausgelegt ist.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- HerstellerDJI – offizielle Produkt- und Support-DokumentationKameraprofile, unterstützte Modi und LUTs je ModellZur Quelle ↗
- Redaktionelle EinordnungPraxis-Einordnung drohneninfos.atRichtwerte aus der eigenen Produktionspraxis – keine Herstellergarantie
Fachlich geprüft am · Redaktion drohneninfos.at · Fehler gefunden? Kurz melden – Korrekturen werden zeitnah eingearbeitet.
Und an deinem konkreten Standort?
Ob du dort fliegen darfst, hängt zusätzlich von Geozonen und lokalen Einschränkungen ab – tagesaktuell auf der Karte.