Wie weit ist „in Sichtweite“? Die EASA-Formel im Check
In Drohnen-Foren kursiert derzeit eine Formel, mit der sich die maximale VLOS-Distanz berechnen lässt. Wir haben sie an der Quelle geprüft – sie stimmt, ist aber nur die halbe Geschichte.
Die Formel(n)
Die EASA-Guidelines für Open- und Specific-Betrieb definieren die Sichtweite über zwei Werte – maßgeblich ist der kleinere:
ALOS (Attitude Line of Sight) beschreibt, bis zu welcher Entfernung du Fluglage und Ausrichtung der Drohne noch erkennst – abhängig von ihrer Größe (CD = charakteristische Dimension). DLOS (Detection Line of Sight) stellt sicher, dass du anderen Luftverkehr rechtzeitig siehst.
Praxiswerte
Für eine Mini-Drohne (CD ≈ 0,25–0,30 m) ergibt das als Richtwert gut 100–120 m. Eine Mavic-Klasse kommt auf rund 150 m, eine große Inspektionsdrohne (CD 1 m) auf etwa 350 m. Wichtig zur Einordnung: Das sind Planungshilfen aus dem EASA-Guidance-Material, keine gesetzlichen Maximaldistanzen – rechtlich zählt, dass du die Drohne tatsächlich klar siehst und ihre Lage sicher beurteilen kannst. Je nach Licht, Hintergrund und Wetter kann die reale Grenze deutlich niedriger liegen. Die verbreitete Annahme, 300–500 m seien mit Kompaktdrohnen „noch okay“, hält aber auch dem Rechenmodell nicht stand.
Die wichtige Einordnung
Was in Foren oft fehlt: Es gibt eine eigene Formel für Flächenflugzeuge (die durch ihre Flügel weiter erkennbar bleiben) und die DLOS-Komponente mit der Mindest-Bodensicht von 5 km. Alle Details und die FPV-Regeln im Grundlagenartikel Sichtverbindung & FPV.
Und an deinem konkreten Standort?
Ob du dort fliegen darfst, hängt zusätzlich von Geozonen und lokalen Einschränkungen ab – tagesaktuell auf der Karte.