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Rehkitzrettung: Drohnen über den Wiesen

Jedes Frühjahr fällt die erste Mahd mit der Setzzeit zusammen. Wärmebilddrohnen finden die Kitze im hohen Gras, bevor das Mähwerk kommt – ehrenamtlich, früh am Morgen, in ganz Österreich.

Kurz gesagt
  • Wärmebilddrohnen suchen im Morgengrauen Wiesen ab, bevor gemäht wird.
  • Die Bilanzen kommen aus den Regionen – eine österreichweite Gesamtstatistik gibt es nicht.
  • Rechtlich ist das ganz normaler Drohnenbetrieb: Registrierung, Kompetenznachweis, Zonen.
  • Der häufigste Stolperstein: Es wird oft vor Sonnenaufgang geflogen – dann gilt Nachtflug.

Von Benjamin Hetzendorfer · Aktualisiert am · 5 min Lesezeit

Warum überhaupt Drohnen

Rehkitze fliehen in den ersten Lebenswochen nicht, sie drücken sich ins Gras. Genau das macht sie für das Mähwerk unsichtbar. Weil die erste Mahd zeitlich mit der Setzzeit zusammenfällt, ist der Konflikt jedes Jahr derselbe.

Eine Drohne mit Wärmebildkamera löst das Problem elegant: In der Kühle des frühen Morgens hebt sich der warme Körper deutlich vom Untergrund ab. Ein Suchflug über eine Wiese dauert Minuten, wo eine Kette von Helfern früher eine Stunde brauchte – und trotzdem etwas übersah.

Die Saison 2026

Die Zahlen entstehen dezentral, bei Jagdvereinen, Feuerwehren und privaten Initiativen. In Ternitz in Niederösterreich endete die Saison mit 17 geretteten Kitzen; im mittleren Ennstal, in der Nockregion, in Tirol und in vielen anderen Regionen liefen eigene Projekte. Der Liezener Jagdschutzverein zieht eine positive Bilanz und will ausbauen.

Was es nicht gibt, ist eine österreichweite Gesamtzahl. Wer eine nennt, schätzt. Verbreitet ist die Angabe, dass jährlich bis zu 25.000 Kitze dem Mähwerk zum Opfer fallen – das ist eine Schätzung und keine erhobene Statistik. Wir führen sie hier an, weil sie die Größenordnung zeigt, nicht als belastbaren Wert.

Die gute Nachricht dahinter: Rehkitzrettung ist der Anwendungsfall, mit dem sich Drohnen ihren Ruf in ländlichen Regionen verdient haben. Wo sonst über Lärm und Privatsphäre diskutiert wird, sitzen hier Jäger, Landwirte und Drohnenpiloten um fünf Uhr früh gemeinsam am Feldrand.

Rechtlich ist das ganz normaler Drohnenbetrieb

Der gute Zweck ändert an den Regeln nichts – ein Punkt, der überraschend oft untergeht:

  • Registrierung: Eine Wärmebildkamera ist eine Kamera. Damit besteht Registrierungspflicht, auch unterhalb von 250 g.
  • Kompetenznachweis: je nach Klasse und Gewicht der Drohne – A1/A3 oder A2.
  • Zonen: Wiesen liegen oft in der Nähe von Flugplätzen oder in Schutzgebieten. Vor jedem Einsatz prüfen.
  • Datenschutz: Wärmebild über fremdem Grund braucht Zurückhaltung – gesucht wird das Kitz, nicht der Nachbar.
Der Klassiker: Nachtflug. Gesucht wird, solange es kühl ist – also häufig vor Sonnenaufgang. Damit ist es rechtlich Nachtflug, und dann muss am unbemannten Luftfahrzeug ein grünes Blinklicht eingeschaltet sein (UAS.OPEN.060 Nr. 2 lit. g). Das ist keine Formalie: Es ist verpflichtend, und es fehlt bei Suchflügen regelmäßig.

Mitmachen

Wer eine Drohne mit Wärmebild hat und helfen will, findet den Anschluss am schnellsten über den örtlichen Jagdverein oder eine bestehende Initiative in der Region. Gebraucht werden nicht nur Piloten, sondern auch Leute, die tragen, absichern und dokumentieren – und Landwirte, die ihre Mähtermine rechtzeitig durchgeben.

Häufige Fragen

Brauche ich für die Rehkitzsuche eine besondere Bewilligung?

Nein, solange du innerhalb der Kategorie Open bleibst. Es gelten die normalen Regeln: Registrierung, Kompetenznachweis, Zonen, Sichtverbindung. Erst wenn du darüber hinaus willst – etwa außerhalb der Sichtweite – wird es ein Fall für die Kategorie Specific.

Zählt eine Wärmebildkamera für die Registrierungspflicht?

Ja. Die Registrierungspflicht knüpft nicht an eine Fotokamera an, sondern daran, dass personenbezogene Daten erfasst werden können. Eine Wärmebildkamera fällt darunter.

Darf ich vor Sonnenaufgang fliegen?

Ja, Nachtflug ist in der Kategorie Open nicht verboten. Am unbemannten Luftfahrzeug muss dann aber ein grünes Blinklicht eingeschaltet sein, und die Sichtverbindung musst du trotzdem halten.

Gibt es eine österreichweite Statistik zu geretteten Kitzen?

Nein. Die Zahlen werden regional von Vereinen und Initiativen geführt. Kursierende Gesamtzahlen sind Schätzungen.

Quellen & Rechtsgrundlagen

  • EU-RechtVO (EU) 2019/947, Anhang Teil AUAS.OPEN.060 Nr. 2 lit. g – grünes Blinklicht bei Nachtflug verpflichtend; Art. 14 – Registrierungspflicht bei Erfassung personenbezogener DatenZur Quelle ↗
  • BehördeninfoAustro Control – dronespace.atRegistrierung, Kompetenznachweise und ZonendarstellungZur Quelle ↗
  • Redaktionelle EinordnungRegionale Bilanzen 2026Ternitz (NÖ): 17 gerettete Kitze; weitere Projekte u. a. im mittleren Ennstal, in der Nockregion und in Tirol. Eine österreichweite Gesamtstatistik existiert nicht; die verbreitete Zahl von bis zu 25.000 Kitzen jährlich ist eine Schätzung.

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